53 – Gegenspiel

 

Die ersten Tage verliefen für Rupert Wilkinson frustrierend. Zwar konnte er alles, was eine Fliege von Natur aus kann – fliegen und auf sechs Beinen laufen zum Beispiel, aber Gesichter zu erkennen, darauf waren seine Facettenaugen nicht eingestellt. Als er es am Freitag Abend schaffte, in den Slytherin-Gemeinschaftsraum einzudringen, flog er lange ziellos hin und her, weil er jede einzelne Person einen Moment lang beobachten musste, um sie zu identifizieren. Wenn er sich zu diesem Zweck auf einem Tisch niederließ, musste er achtgeben, nicht beiläufig von einem Mitschüler erschlagen zu werden. Als er dann wenigstens Julian ausfindig gemacht hatte und gerade auf dessen Schulter Platz nehmen wollte, tauchte zu allem Unglück Bernies Katze auf und machte sich einen Spaß daraus, Jagd auf ihn zu machen. Völlig erschöpft hängte er sich an die Decke des Gemeinschaftsraums, um ein wenig auszuruhen. Bei alldem achtete er nicht auf die Zeit und musste schließlich feststellen, dass es zu spät war, niemand mehr den Gemeinschaftsraum betrat oder verließ und er daher gezwungen war, an der Decke zu übernachten, wobei diese Übernachtung obendrein von einer fetten Spinne gestört wurde, die wohl noch nicht zu Abend gegessen hatte und Rupert mehrmals zu panischer Flucht zwang.

Am nächsten Tag, einem Samstag, war er folglich so erschöpft, dass er den ganzen Tag verschlief und beschloss, seine Beschattungsaktion erst am Sonntag fortzusetzen. Rupert war wütend. So hatte er sich das Leben eines Agenten nicht vorgestellt!

Am Sonntag schaffte er es zwar, sich auf Roys Schulter zu setzen und lange darauf zu verweilen – auf dem schwarzen Umhang fiel er als Fliege nicht auf – aber Roy verbrachte den Vormittag in der Bibliothek, sagte beim Mittagessen nichts, was für Rupert von Bedeutung gewesen wäre, und unternahm dann mit Arabella einen Spaziergang, auf dem Rupert ihm nicht folgen konnte: Bei wolkenlosem Himmel war das Januarwetter für warm angezogene Menschen angenehm, für eine Fliege aber unerträglich kalt, Rupert wäre draußen erstarrt. Als er es endlich geschafft hatte, wieder seine normale Gestalt anzunehmen, ohne gesehen zu werden, waren beide verschwunden, sodass er beschloss, ihnen, wiederum als Fliege, vor dem Slytherin-Gemeinschaftsraum aufzulauern, wo er bis zum Abend vergeblich wartete.

Auf die Idee, dass ein blutjunges Ehepaar einen Sonntag Nachmittag nicht unbedingt im Gemeinschaftsraum verbringen würde, kam er nicht.

Am Montag handelte er sich Nachsitzen ein, weil er ausgerechnet in Barclays Unterricht eingeschlafen war, und musste danach noch einen Rüffel von Anderson über sich ergehen lassen, der ihm einen Zauberspiegel zur Kontaktaufnahme zur Verfügung gestellt hatte und von seinen Ermittlungsergebnissen beziehungsweise deren Ausbleiben wenig erbaut war.

Der Dienstag verlief ebenfalls ergebnislos, und erst am Mittwoch – man schrieb inzwischen den 31. Januar – tat sich eine Chance auf. Er hatte sein Abendessen hastig hinuntergeschlungen, sich dann wieder verwandelt und es sich auf Roys Umhang bequem gemacht, während dieser beim Abendbrot saß.

„Nachher wieder im Geheimraum“, hörte er Roy leise zu den anderen Unbestechlichen sagen. „Albus, du gehst wieder voraus und sicherst, dann kommen Julian, Orpheus und Ares, zum Schluss Arabella und ich.“

Geheimraum! durchzuckte es Rupert. Jetzt wurde es spannend!

 

Albus hatte sich in einen Seitengang in der Nähe des Geheimraums zurückgezogen und studierte kniend die Karte des Rumtreibers. Dass der Tarnumhang seines Vaters vom Ministerium beschlagnahmt worden war, war ein wenig lästig. Bis Dezember hatte er sich einfach in den langen Gang stellen können, von dem ein kleiner Abzweig zu der Besenkammer führte, hinter deren Seitenwand der Geheimraum lag, und die Karte bequem unter dem Tarnumhang gelesen. Nun musste er für sich selbst einen Unsichtbarkeitszauber benutzen, die Karte aber sichtbar auf den Boden legen, denn in seiner Hand wäre sie ebenfalls unsichtbar geworden.

Orpheus, Ares und Julian waren schon durch, er wartete nur noch auf Roy und Arabella. Endlich sah er sie kommen, aber… Das war doch nicht möglich! Er starrte auf das Pergament. Ein dritter Name war dicht an dem von Roy zu sehen, ein Name, der hier überhaupt nicht hergehörte!

Albus hob seinen Zauberstab. Roy, Arabella und der ungebetene Begleiter waren nur noch wenig mehr als zwanzig Meter entfernt.

Calorate!

Albus sprang auf seine Füße und spähte in die Richtung, aus der die drei kamen. Nur Roy und Arabella, Hand in Hand den Gang entlangschlendernd, waren zu sehen, keine Spur von einem Dritten, und das konnte nur heißen…

Albus schaltete blitzschnell: „Discalorate!“ Er hatte jetzt wieder klare Sicht.

Immer noch unsichtbar ging er dem Paar entgegen.

„Bleibt stehen und rührt euch nicht“, raunte er den beiden zu, die seine Stimme erkannten und gehorchten. Albus sah die Fliege auf Roys Schulter und richtete seinen Zauberstab auf sie. Sehen konnte er den Stab selbst nicht, nur fühlen. Sein Herz schlug bis zum Halse. Hoffentlich zielte er richtig, hoffentlich traf er nicht Roy…

Petrificus totalus!“, flüsterte er. Die Fliege, die sich eben noch die Vorderbeine gerieben hatte, erstarrte mitten in der Bewegung. Albus atmete auf und machte sich sichtbar.

„Kannst du mir mal verraten, was du da machst?“, fragte Roy stirnrunzelnd.

Statt zu antworten, wischte Albus mit seinem Zauberstab die Fliege vom Umhang auf seine linke Hand und hielt sie Roy unter die Nase.

„Weißt du, wer das ist?“, grinste er stolz.

„Eine Fliege, und ich kenne sie nicht persönlich.“

„Doch, du kennst sie.“ Sein Grinsen verbreiterte sich. „Es ist Rupert Wilkinson von den Gryffindors. Er ist ein Animagus.“

Mit offenem Mund starrte Roy erst Albus, dann die Fliege an. „Woher weißt du das?“

Albus wollte schon antworten, da griff Arabella ein:

„Achtung“, sagte sie, „er kann sich nicht bewegen, aber er kann uns hören. Roy, hast du irgendein Gefäß dabei, in dem wir unseren Gast verstauen können?“

Roy zog ein leeres Fläschchen aus der Tasche, in das Albus nun die Fliege gleiten ließ.

„Stell sie irgendwo ab“, sagte Arabella, „dann können wir reden.“

Albus ging mit der Flasche einige Meter weiter zur Tür des Zaubertrank-Klassenzimmers, öffnete sie mit „Alohomora“, stellte die Flasche auf einen Tisch, schloss die Tür wieder hinter sich, holte die Karte und kehrte zu den beiden Anderen zurück.

„Ich habe seinen Namen auf der Karte des Rumtreibers gesehen“, sagte er leise und zeigte ihnen die Karte. „Da er auch mit Calorate nicht sichtbar wurde, musste er ein sehr kleiner Animagus sein. Mein Vater hat mir erzählt, dass die Karte auch Animagi unter ihren Klarnamen aufführt.“

Roy stieß einen leisen, anerkennenden Pfiff aus. „Wenn du mal Auror wirst, haben Kriminelle nichts mehr zu lachen! Dein Vater wird stolz auf dich sein. Deine Mutter natürlich auch, wenn wir es ihr gleich erzählen! So einen Sohn möchte ich auch haben. Meinst du“, fragte er Arabella schmunzelnd, „wir kriegen so einen hin?“

Sie lachte. „Mich soll’s freuen!“

 

Im Geheimraum waren die anderen Unbestechlichen und Ginny, die die neuen Flugbesen und das Finsternispulver mitgebracht hatte, schon unruhig geworden, weil die drei so lange auf sich hatten warten lassen. Roy setzte sie ins Bild. Ginny sah ihren Sohn in der Tat voller Stolz an.

„Ich kann mir nicht vorstellen“, fügte Roy seinem Bericht hinzu, „dass Wilkinson in der Lage ist, sich selbst zum Animagus zu machen. Irgendjemand hat ihm geholfen, und dieser Jemand war bestimmt nicht McGonagall.“

„Er ist ein Amasi-Spitzel, was sonst“, stellte Ares fest. „Was machen wir jetzt mit ihm? Wegsperren?“

Roy schüttelte den Kopf. „Wenn ein Schüler verschwindet, noch dazu ein Schüler, von dem das Amasi Berichte erwartet, haben wir morgen eine Hundertschaft Auroren auf dem Hals. Wir könnten sein Gedächtnis der letzten Stunde oder auch der letzten Tage löschen, ihn laufen lassen und ihn im Übrigen permanent mit Hilfe der Karte des Rumtreibers im Auge behalten. Lästig, aber machbar. Etwas Besseres fällt mir im Moment nicht ein.“

„Mir vielleicht schon“, meldete sich Orpheus. „Wir könnten ihn benutzen, um Anderson mit falschen Informationen zu füttern.“

Der Gedanke war entschieden reizvoll. Alle schwiegen und überlegten.

„Und an was für Informationen hast du gedacht?“, wollte Ginny schließlich wissen.

„Zum Beispiel, dass wir gar keine Gefangenenbefreiung, sondern bloß eine Protestdemonstration vor dem Ministerium oder so etwas planen.“

„Hmmm…“ überlegte Roy. „Da sehe ich aber zwei Probleme: Zum einen weiß er, dass er enttarnt ist, und wird sich daher nicht ohne Weiteres eine Komödie vorspielen lassen. Zum anderen müssen die Informationen, die wir ihm geben, zu denen passen, die das Ministerium schon hat, sonst wird Anderson misstrauisch. Und wir wissen nicht, welche es hat.“

„Wir könnten aber wenigstens herausfinden“, warf Ares ein, „welche Wilkinson weitergegeben hat.“

„Und wie?“

„Wir fragen ihn.“

Alle starrten ihn an.

„Warum sollte er uns das sagen?“, fragte Ginny. „Willst du ihn etwa foltern?“

„Ibieh, wie primitiv!“, grinste Ares. „Nein, wir befehlen ihm einfach, uns die Wahrheit zu sagen.“ Und da die Anderen noch immer nicht begriffen: „Wir benutzen den Imperiusfluch. Dann sind wir auch nicht darauf angewiesen, dass er uns eine Komödie glaubt, wir befehlen ihm einfach, die Informationen weiterzugeben, die er weitergeben soll.“

Begeisterung hätte anders ausgesehen, aber einen besseren Vorschlag hatte keiner.

„Gut“, sagte Roy schließlich. „Ich mache es.“

„Hast du nicht jemandem versprochen, keine Schwarze Magie zu treiben?“, fragte Arabella spitz.

„Was bleibt mir übrig? Für Harry geht es um Leben und Tod, und ich werde nicht einen der Anderen vorschicken, um etwas zu tun, was ich selber nicht machen will.“

Arabella beugte sich zu ihm und zischte ihm zu: „Du weißt, dass Schwarze Magie süchtig machen kann! Deine Mutter ist an einer Sucht gestorben, und du weißt nicht, ob du ihre Veranlagung geerbt hast!“

Sie hatte so leise gesprochen, dass die übrigen Anwesenden es nicht hören konnten, aber Ares griff von sich aus ein:

„Lass mal Roy, ich mach das schon! Ich habe die Unverzeihlichen geübt, du nicht. Es wäre Quatsch, wenn du es tun wolltest.“

„Du hast das geübt?“, fragte Ginny entsetzt.

„Natürlich nur an niederen Tieren, also Spinnen und dergleichen, aber ja, ich habe es auf eigene Faust geübt, nachdem dein Mann es uns nicht beibringen wollte.“

„Dafür hatte er gute Gründe!“

„Aber nicht so gute Gründe“, konterte Ares sarkastisch, „dass er ihretwegen aufs Schafott gehen würde, oder?“

Ginny biss sich auf die Lippen, schwieg aber.

Nun ergriff Orpheus wieder das Wort: „Ich schlage vor, Roy, dass du einen zweiten Geheimraum einrichtest. Brauchst du dazu lange?“

„Geht ruckzuck“, meinte Roy, „aber wozu?“

„Die erste Information, die er Anderson geben soll, ist die Lage dieses falschen Geheimraums. Mir liegt das schon lange im Magen: Wenn dieser Raum hier, also unser wirklicher Geheimraum, enttarnt wird, könnten die Auroren herausfinden, dass es hier keine Appariersperre gibt, wie sonst in Hogwarts. Und dann gerät McGonagall in die Bredouille. Außerdem können wir diesen zweiten Raum dann gleich für Wilkinsons Verhör benutzen.“

Es war nicht schwer, in einiger Entfernung, aber immer noch im Untergeschoss, einen alten Gerümpelraum ausfindig zu machen, an den Roy einen magisch vergrößerten Geheimraum anzauberte. Albus holte das Fläschchen mit der Fliege und ließ diese auf den Boden gleiten. Ares zückte den Zauberstab:

Realcorpus!“, rief er, und vor ihnen lag der immer noch bewegungsunfähige Wilkinson.

Imperio!“, fügte Ares nun hinzu und hob anschließend den Petrificus auf.

Wilkinson wirkte leicht bekifft, als er sich aufrichtete.

„Hallo Wilkinson“, brummte Ares.

„Hallo Macnair“ erwiderte Wilkinson freundlich.

„Du wirst uns jetzt wahrheitsgemäß alles erzählen. Zunächst: Wie bist du zum Animagus geworden?“

Wilkinson antwortete bereitwillig auf alle Fragen, die man ihm stellte. So erfuhren die Unbestechlichen alles: von der Lauschaktion im Raum der Wünsche über den Brief und die Gespräche mit Anderson und Hermine, über die sie ihn besonders genau ausfragten, bis hin zu seinen Beschattungsbemühungen der letzten Tage und was er seinem Führungsoffizier bisher berichtet hatte.

Als sie glaubten, dass er alles Wissenswerte gesagt hatte, richtete Ares seinen Zauberstab erneut auf Wilkinson:

Stupor!“

Der rote Blitz schoss in Wilkinsons Brust, und er sackte ohnmächtig zusammen.

„Ares!“, rief Ginny. „Musste das so brutal sein? Wir löschen doch nachher sowieso sein Gedächtnis, da hätte er ruhig zuhören können.“

„Kein Gedächtniszauber ist hundertprozentig zuverlässig“, versetzte Ares schroff. „Was er gar nicht erst weiß, braucht man nicht zu löschen. Und verglichen mit dem, was dieser Scheißkerl verdient hätte, war es nicht besonders brutal.“

„Ich finde auch“, meinte Roy, „dass wir jetzt Dringenderes zu tun haben, als über Milde oder Brutalität gegenüber Spitzeln zu diskutieren. Was er uns gesagt hat, ist äußerst beunruhigend, noch bedrohlicher, als ich befürchtet hatte: Anderson weiß positiv, dass wir Harry aus Askaban befreien wollen, und er hat uns, James und Victoire nur deshalb noch nicht verhaften lassen, weil er über uns rauskriegen will, wer an der Aktion noch beteiligt ist. Wenn er nicht mehr die Hoffnung hat, das noch herauszubekommen, sind wir dran. Seine Quelle muss also unbedingt weitersprudeln, aber immer so, dass er glaubt, es gäbe noch etwas Wichtiges, das er noch nicht weiß.“

„Wie wäre es“, überlegte Orpheus, „wenn wir ihm einredeten, wir hätten das Ziel einer gewaltsamen Befreiung aufgegeben, um… na gut, eine Protestdemo ist zu harmlos, das glaubt er uns nie, aber – ja, um stattdessen einen Anschlag auf Hermine zu verüben und darauf zu spekulieren, dass deren Nachfolger Harry von sich aus freilassen würde? Wobei ihm aber klargemacht werden müsste, dass wir nur die Ausführenden wären und die eigentlichen Drahtzieher, die großen Unbekannten, woanders sitzen? Zum Beispiel im Ministerium und vielleicht sogar unter den Auroren?“

Alle sahen auf Roy. Der grinste immer breiter und kicherte schließlich sogar ein wenig: „Orpheus, du bist ein Genie! Natürlich! Das mit dem Anschlag ist plausibel, weil es logisch wäre. Logisch wäre auch, dass er nur der Schlussstein einer Verschwörung hochgestellter Persönlichkeiten wäre. Und da die einzige Spur, über die Anderson die vermeintlichen Verschwörer dingfest machen könnte, wir wären, müsste er uns unbehelligt lassen!“

Er kicherte noch ausgelassener. „Stattdessen wird er das ganze Ministerium, vor allem seinen eigenen Sicherheitsapparat, auf den Kopf stellen, Jeden verdächtigen und Dutzende von Verhören führen. Das lähmt nicht nur ihn und den Apparat, sondern schafft auch böses Blut unter seinen Leuten.“

Roy atmete tief durch, um sich nicht von seiner eigenen Euphorie mitreißen zu lassen. Er blickte auf den immer noch bewusstlos daliegenden Wilkinson:

„So, mein Freund, ab jetzt berichtest du nur noch, was du berichten sollst! Alle unerwünschten Erinnerungen werden gelöscht und durch andere ersetzt. Ein paar müssen aber sehr konkret sein…“

Roy grübelte einen Moment, dann sah er auf. „Wir werden ihm doch eine Komödie vorspielen. Es kommt nicht darauf an, dass er selbst sie glaubt, sondern nur darauf, dass er detailliert berichten kann und über echte Erinnerungen verfügt, falls Anderson auf die Idee verfallen sollte, in sein Gedächtnis einzudringen. Diese Komödie spielen Ares, Julian, Orpheus und ich. Ginny, Albus und Arabella, ihr werdet nicht dabei sein.“

„Warum nicht?“, rief Albus empört.

Albus“, sagte Roy, wie bekümmert über die Begriffsstutzigkeit des Jüngeren, „wir reden dem Chef des Amts für Magische Sicherheit ein, wir planten einen Anschlag auf die Ministerin…“

„Aber Roy“, rief Ginny erregt dazwischen, „das ist doch Wahnsinn! Ihr bezichtigt euch selber, Terroristen zu sein, und das ausgerechnet gegenüber Anderson!“

„Das ist ja gerade das Geniale“, grinste Roy. „Er wird niemals glauben, dass jemand so verrückt sein kann, und deshalb wird er nicht für möglich halten, dass es eine von uns selbst erfundene Fehlinformation ist! Er wird alles glauben, und er wird dadurch von Askaban abgelenkt! Natürlich ist es riskant, und damit komme ich auf deine Frage zurück, Albus: Er wird uns wahrscheinlich nicht verhaften, weil er ja noch weitere Informationen bekommen will, und wir werden ihn hinhalten, bis dein Vater freigesprochen ist oder wir ihn befreit haben. Falls er uns aber doch verhaftet, sollten möglichst viele auf freiem Fuß bleiben. Deine Mutter hat er bisher nicht auf dem Schirm, und so soll es bleiben. Dich und Arabella hat er auf dem Schirm, aber er wird es plausibel finden, dass wir das einzige Mädchen und den einzigen Erstklässler der Gruppe nicht in ein solches Unternehmen hineinziehen. Plausibel ist auch, dass du dich nicht an einem Anschlag auf deine Tante beteiligst oder auch nur davon weißt. Aus demselben Grund wird er uns auch abnehmen, dass James und Victoire nichts davon wissen, die wir auf diese Weise ebenfalls elegant aus der Schusslinie ziehen. Das heißt, dass wenigstens ihr fünf unbehelligt bleibt, selbst wenn wir verhaftet werden sollten. Und es gibt noch einen Grund, warum du auf keinen Fall beteiligt sein darfst.“

Da Albus ihn fragend ansah, fuhr Roy fort: „Anderson weiß, dass du die Karte des Rumtreibers hast. Dass damit Animagi sichtbar gemacht werden können, weiß er offenbar nicht, sonst hätte er Wilkinson davor gewarnt. Aber Hermine weiß es, oder?“

Ginny antwortete an Albus‘ Stelle: „Natürlich weiß sie das, und zwar seit ihrem dreizehnten Lebensjahr.“

Roy nickte. „Und damit haben wir ein Problem: Sobald Hermine erfährt, dass du die Karte hast, weiß sie auch, dass Wilkinson auf die Dauer eigentlich gar keine Chance hat, sich uns unbemerkt zu nähern, um uns auszuspionieren. Wenn ich nicht diesen dummen Fehler gemacht hätte“, ärgerte er sich, „im Raum der Wünsche auf den Calorate zu verzichten, hätte er auch nichts herausgefunden, jedenfalls hätten wir sein Gedächtnis löschen können – na gut, es bringt nichts, sich darüber jetzt noch zu ärgern. In jedem Fall wird Hermine sich über seine detaillierten Berichte wundern. Wir müssen sie also glauben machen, dass du zwar die Karte hast, wir aber nicht mehr. Wir werden uns also in Wilkinsons Gegenwart darüber ärgern, dass du die Karte nicht mehr herausrückst.“

Albus nickte langsam. „Jetzt, wo du es so erklärst, sehe ich es ein.“

„Gut“, sagte Roy und sah voll grimmiger Genugtuung auf Wilkinson, „und jetzt überlegen wir uns genau, welche Indizien wir Anderson zuspielen…“

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