14 – Nächtliche Begegnung

 

Harry hätte jetzt hinausgehen und außerhalb des Geländes disapparieren können und sollen – Ginny wartete bestimmt –, aber er konnte nicht anders: Er führte den Zauberstab an seine Schläfe und flüsterte: „Oculi felis“. Der Katzenaugenzauber war eine Spezialität, die die Auroren geheimhielten, denn er verschaffte ihnen in der Dunkelheit die Überlegenheit über jeden Gegner. Harry konnte nun durch die dunkelsten Gänge gehen und sah auch ohne das Licht seines Zauberstabs genug.

Er begann, durchs Schloss zu wandern. Jeder einzelne Stein dieses Gemäuers war für ihn mit Erinnerungen verknüpft, schönen, aufregenden, schmerzlichen. Hier hatte er Ginny in den Armen von Dean Thomas gesehen, in diesem Gang im siebten Stock hatten sie im Raum der Wünsche als Dumbledores Armee trainiert, und hier… hier war Fred gestorben. Es war fast zwanzig Jahre her, aber es war eine jener Wunden, die kaum heilen können: Es war praktisch unmöglich, George zu treffen, ohne daran zu denken, dass der andere fehlte. George hatte den Humor, den er mit seinem Bruder geteilt hatte, nie verloren, aber dieser Humor hatte seitdem oft etwas Bitteres.

Nur weg hier! Harry ging mit schnellen Schritten auf die nächste Einmündung eines Gangs zu und bog um die Ecke. Wahrscheinlich hatte er seine Schritte nicht genug gedämpft, denn kaum war er in diesem Gang ein paar Schritte gegangen, da flüsterte hinter ihm jemand „Lumos“, und ein Zauberstab flammte auf.

Harry war dazu ausgebildet worden, bei Gefahr sofort auf höchste Konzentration umzuschalten. Er blieb stehen und drehte sich schnell und dennoch vorsichtig um, um sich nicht wieder durch ein Geräusch zu verraten. Er sah MacAllister mit erhobenem Zauberstab dastehen, offenbar hatte er als Vertrauensschüler Nachtwache. Ganz schön clever, sich einfach in eine Nische zu drücken, abzuwarten und es anderen zu überlassen, Geräusche zu machen. Harry zog seinen Zauberstab aus dem Umhang.

MacAllister sagte blitzschnell dreimal nacheinander „Disinvisibilis“ und deutete in drei nur geringfügig voneinander abweichende Richtungen. Harry grinste. Hätte er sich eines Unsichtbarkeitszaubers statt eines Tarnumhangs bedient, dann wäre er jetzt sichtbar geworden. MacAllister überlegte kurz. Dann hob er den Zauberstab in die Höhe und sagte: „Calorate“.

Plötzlich verschwand das Licht des Zauberstabs. Harry sah, wie MacAllisters Gestalt sich in einen hellen Lichtfleck verwandelte: Hellgelb leuchtend am Rumpf, rot und teilweise bläulich an Armen und Beinen. Als Harry an sich selbst heruntersah, stellte er fest, dass auch sein Körper hellgelb leuchtete. Ein unbekannter Zauber! Sofort fasste er MacAllisters Umrisse scharf ins Auge, und gerade noch rechtzeitig, denn nun richtete dieser seinen Zauberstab geradewegs auf Harry und rief „Petrificus…“ – „Protego!“, rief Harry, bevor MacAllister aussprechen konnte. Der Erstarrungszauber prallte ab. MacAllister setzte nach: „Accio Tarn…“ – „Expelliarmus!“

MacAllister stürzte zu Boden, sein Zauberstab flog in hohem Bogen aus seiner Hand und blieb etwa drei Meter hinter ihm liegen, während das rote Leuchten, das von ihm ausging, erst in ein Grün, dann in ein immer schwächer werdendes Blau überging.

Einen Moment herrschte Stille.

Dann sagte Roy, während er sich aufrappelte:

„Sie haben gewonnen. Wären Sie jetzt bitte trotzdem so freundlich, mich meinen Zauberstab aufheben zu lassen, damit ich normale Sichtverhältnisse herstellen kann? Sie möchten die Welt doch bestimmt auch nicht den Rest Ihres Lebens in diesen komischen Farben sehen.“

„Heben Sie ihn auf“, antwortete Harry, von dessen Körper immer noch dieses seltsame gelbe Leuchten ausging, „aber lassen Sie sich keine Dummheiten einfallen und richten Sie Ihren Stab vor allem nicht auf mich. Ich bin schneller als Sie.“

„Ich weiß“, sagte Roy, hob den Zauberstab auf, reckte ihn in die Luft und sagte „Discalorate“, worauf das merkwürdige Leuchten verschwand, und gleich darauf „Lumos“. Der Gang vor ihm schien leer zu sein. „Würden Sie jetzt bitte Ihren Tarnumhang abnehmen, Mister Potter?“

Harry war verblüfft. „Wieso nennen Sie mich Potter?“

„Wenn jemand mit Disinvisibilis nicht sichtbar gemacht werden kann, wohl aber mit Calorate, dann muss er einen Tarnumhang benutzen, und der einzige mir bekannte Tarnumhang in England gehört dem Chef der Aurorenabteilung. Außerdem reagieren Sie so schnell, dass schon daran die Aurorenausbildung erkennbar ist. Und schließlich ist Ihre Neigung, nachts unter dem Tarnumhang in Hogwarts herumzuschleichen, an dieser Schule mindestens so legendär wie Ihre Vorliebe für Expelliarmus.“

Harry schälte sich aus dem Tarnumhang. Roy nahm seinen Zauberstab in die linke Hand, ging die wenigen Schritte auf Harry zu, reichte ihm die rechte und sagte:

„Roy MacAllister. Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen, Sir.“

Harry spürte, dass dies keine Floskel war. Er nahm die Hand. „Harry Potter. Ich habe schon viel von Ihnen gehört.“

„Überwiegend Schlechtes, nehme ich an?“ Roy grinste.

„Von meinem Sohn Albus nicht“, erwiderte Harry, und Roys Grinsen ging in ein Lächeln über.

Keiner von beiden bemühte sich, die Neugier zu verbergen, mit der sie einander musterten.

„Sie würden einen guten Auror abgeben“, sagte Harry schließlich.

„Das nenne ich ein Lob aus berufenem Munde“, antwortete Roy sichtlich geschmeichelt. „Leider wird meine Karriere beim gegenwärtigen Stand der Dinge wohl eher nach Askaban führen als in eine Aurorenschule.“

„Tun Sie denn verbotene Dinge?“

„Wenn ich es täte, wären Sie wohl der Letzte, dem ich es auf die Nase binden würde“, erwiderte Roy grinsend. „Nein, ich sage ständig Dinge, die demnächst verboten werden, und ich habe nicht vor, mir das abzugewöhnen.“

Eine Pause trat ein.

„Darf ich Sie fragen, warum Sie den Tarnumhang benutzen, Sir? Professor McGonagall hat doch bestimmt nichts dagegen, dass Sie sich im Schloss frei bewegen?“

„Nein“, sagte Harry, „ich komme gerade von ihr. Aber wenn der Leiter der Aurorenabteilung sich nach einem Tag wie dem heutigen in Hogwarts sehen ließe, würde alle Welt es als Einschüchterungsversuch gegenüber Slytherin auffassen, und das möchte ich vermeiden.“

„Das ist sehr rücksichtsvoll, vielen Dank“, erwiderte Roy höflich.

„Was war das eigentlich für ein Zauber, den Sie eben angewandt haben?“

„Calorate? Den kannten Sie noch nicht, was?“, grinste Roy, nicht ohne Selbstgefälligkeit. „Ich habe ihn letztes Jahr als Facharbeit für Zauberkunst entwickelt. Er verändert die Wahrnehmung aller Personen in einem gewissen Umkreis so, dass ihre Augen statt des normalen sichtbaren Lichts Wärmestrahlung wahrnehmen. Ihr Tarnumhang schirmt nur sichtbares Licht nach innen ab, nicht aber Wärmestrahlung, deshalb konnte ich Sie sehen.“

„Genial! Wie sind Sie darauf gekommen?“, wollte Harry wissen.

„Ich lasse mich von Muggeltechnologie inspirieren, in diesem Fall von Wärmebildkameras. Ich versuche, magische Äquivalente für diese Technologien zu entwickeln. Es ist gewissermaßen ein Hobby von mir.“

„Ein eigenartiges Hobby für jemanden, der gegen die Öffnung zur Muggelwelt ist“, sagte Harry mit mildem Spott.

„Ich sage ja gerade nicht, dass man nichts von ihr lernen kann. Aber übernehmen darf man nur das, was man mit eigenen Mitteln beherrschen kann.“

„Haben Sie noch mehr Zauber dieser Art auf Lager?“

„Klar. Zum Beispiel kann man jede beliebige Flüssigkeit so verzaubern, dass sie, wenn sie fließt, Schall speichert. Ist die Flüssigkeit in einer Wasseruhr, und lässt man sie dann in die untere Kammer fließen, dann wird der aufgezeichnete Ton wiedergegeben. Gesprochene Worte sind dann deutlich zu verstehen. Leider gibt es in unserer Welt wenig Verwendung dafür.“

„Ich hätte schon Verwendung für so etwas“, meinte Harry, der sich eingestehen musste, dass Roy ihm gefiel.

„Ich zeig’s Ihnen gerne.“

„Ich komme darauf zurück“, versprach Harry. Sie gingen nun langsam nebeneinander her, weil Roy seinen Rundgang fortsetzen musste. „Momentan beschäftigt mich allerdings etwas Anderes. Ich bin nicht als Auror hier, sondern als Vater und Bürger, der sich Sorgen macht. Die letzten zwei Tage waren sehr ereignisreich, und ich möchte wissen, was hier in Hogwarts los ist. Und da Sie im Mittelpunkt all der Aufregung stehen, möchte ich vor allem etwas über Sie wissen. Insofern ist mir unsere Begegnung ganz recht.“

„Mir auch“, erwiderte Roy und fügte zu Harrys Überraschung hinzu: „Gerade heute Abend habe ich mit meinen Freunden darüber gesprochen, dass wir Kontakt zu Ihnen aufnehmen sollten.“

„Ja? Warum?“

„Aus zwei Gründen. Zum einen sind Sie ein Gryffindor. Wissen Sie, was die Gryffindors heute Morgen gemacht haben?“

„Ja, Albus hat es mir geschrieben“, gab Harry zu, „und Sie können sich nicht vorstellen, wie peinlich uns das ist – meiner Frau und mir.“

„Ich hätte mich auch sehr gewundert, wenn Sie es gebilligt hätten. Wir vermuten, dass die Ministerin die Gryffindors entsprechend instruiert hat. Wir glauben, dass die Spannungen zwischen den Häusern mit dem Ziel angeheizt werden, Gewalttätigkeiten zu entfesseln, die dann uns in die Schuhe geschoben werden und den direkten Durchgriff des Ministeriums auf Hogwarts legitimieren sollen, eventuell verbunden mit der Ablösung der Schulleiterin. Ich habe allen Slytherins eingeschärft, sich nicht provozieren zu lassen, aber die Nerven liegen blank, ich weiß nicht, wie lange wir es durchhalten. Wir alle, außer den Muggelstämmigen, haben unsere Eltern informiert, um Gegendruck auf das Ministerium und den Tagespropheten aufzubauen und uns dadurch ein wenig Entlastung zu verschaffen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es viel gebracht hat.“

Harry blieb stehen und musterte ihn: „Sie sind ein begabter Stratege, MacAllister. Ja, die Briefe, die noch vor Dienstschluss eingingen, haben im Ministerium allerdings für Unruhe gesorgt, und sie werden ja nicht die letzten sein. Respekt, Sie haben in Ihrer schwierigen Lage alles richtig gemacht.“

Er runzelte die Stirn. „Eines würde ich aber doch gerne wissen: Wieso vertrauen Sie mir eigentlich so weit, dass Sie mir das alles erzählen? Sie haben es ja selbst gesagt: Ich bin ein Gryffindor und obendrein Hermines bester Freund und einer ihrer engster Mitarbeiter.“

„Sie haben Söhne in beiden Häusern und bestimmt kein Interesse an einer weiteren Eskalation. Außerdem hat Albus mir erzählt, dass Sie keine Vorbehalte gegen Slytherin haben. Natürlich können Sie der Ministerin Bericht über unser Gespräch erstatten, aber dann erfährt sie nur, dass wir ihr Spiel durchschauen, und das kann nicht schaden.“

„Ich bin, wie ich schon sagte, privat hier“, sagte Harry, „und werde über unser Gespräch nichts berichten.“

Roy sah erstaunt auf, sagte aber nichts.

„Sie haben mir immer noch nicht die Frage beantwortet, warum Sie und Ihre Freunde Kontakt zu mir aufnehmen wollten“, nahm Harry den Gesprächsfaden wieder auf.

„Der eine Grund ist, dass Sie eine lebende Gryffindor-Legende sind, geradezu ein Star. Wir hoffen, dass Sie dort einen mäßigenden Einfluss ausüben können.“

„Ich fürchte, da muss ich Sie enttäuschen, MacAllister. Die heutigen Gryffindors kennen meine Leistungen nur noch aus den Geschichtsbüchern. Ich bin dort schon lange kein Star mehr, das ist jetzt Hermine.“

Roy schluckte.

„Nicht einmal mein eigener Sohn“, fuhr Harry fort, „würde mir in diesem Fall gehorchen, erst recht keiner von den Anderen. Und wenn es stimmt, dass Hermine persönlich die Gryffindors in die Spur gestellt hat, erreiche ich überhaupt nichts, außer dass sie mir vorwerfen wird, ihre Politik zu hintertreiben.“

Wieder horchte Roy auf.

Sie schwiegen, während sie den Rundgang wieder aufnahmen.

„Und der zweite Grund?“, fragte Harry.

„Wir… wir vermuten, dass die Ministerin nicht aus freien Stücken so handelt, wie sie es tut.“

Er schilderte Harry seine und Albus‚ Beobachtungen vom gestrigen Tag.

„Wir befürchten, dass sie unter dem Einfluss eines Unbekannten steht, der sie mit einem Fluch oder sonstigen Zauber belegt hat. Allerdings verstehen wir selbst von Schwarzer Magie nur das, was wir in Verteidigung gegen die dunklen Künste lernen, und das ist entschieden zu wenig, um herauszufinden, ob und um welche Art von Fluch es sich handelt, von einem wirksamen Gegenfluch ganz zu schweigen. Sie aber kennen sich mit diesen Themen nicht nur aus, sondern sind als Leiter der Aurorenabteilung auch zuständig.“

„Ihre Sorge um das Wohl der Ministerin ehrt Sie, MacAllister“, erwiderte Harry, und die Ironie in seiner Stimme war unüberhörbar.

„Aber?“

Harry blieb wieder stehen und sah Roy fest in die Augen.

„Ich glaube, ich sollte Sie mit einigen Dingen konfrontieren, die ich heute gehört habe, und zwar von Ihnen selbst. Ich habe Sie und Ihre Freunde vorhin aus Ihrem – wie soll ich sagen: Raum der Wünsche? – kommen sehen und Ihr Gespräch mit Miss Wolfe – das war sie doch, oder? – mitangehört.“

Roy errötete, sagte aber nichts.

„Ich habe dabei manches gehört, was mir gut gefallen hat. Ich musste Ihrem Gespräch aber auch entnehmen, dass Sie einen Mordanschlag auf Hermine erwogen hatten.“

Roy zögerte kurz. „Das ist richtig“, sagte er schließlich. „Wenn Sie aber Alles gehört haben, wissen Sie auch, dass wir diesen Gedanken verworfen haben.“

„Dass Sie auf die Idee überhaupt gekommen sind, finde ich erschütternd.“

„Das verstehe ich gut, Sir. Nur, mit Verlaub: Es war ein reines Brainstorming. Wir haben erst einmal alle Möglichkeiten durchgespielt, die es theoretisch geben könnte, um mit einer Lage fertigzuwerden, die schließlich nicht wir herbeigeführt haben. Das Thema Attentat ist aber definitiv vom Tisch“, bekräftigte er.

„Sie haben aber doch sicher irgendwelche Entschlüsse gefasst.“

„Erstens den, den Sie schon kennen, nämlich Kontakt zu Ihnen zu suchen. Zweitens herauszufinden, um was für eine Art von Fluch es sich handeln könnte.“

„Warum überlassen Sie das nicht einfach mir und meinen Auroren?“

„Weil wir die Hände nicht in den Schoß legen können. Außerdem: Wenn Ihre Freundin wirklich unter der Kontrolle eines unbekannten Anderen steht, der sie zu einem Verhalten veranlasst, das ihrem Naturell an sich fremd ist, wer sagt uns dann, dass ihre nächste unerwartete Aktion nicht darin besteht, Sie als Chef der Aurorenabteilung abzulösen, sobald sie von Ihren Ermittlungen Wind bekommt?“

Hermine?“, fragte Harry belustigt und hätte am liebsten laut losgelacht.

„Nicht Hermine. Der, der sie kontrolliert.“

Dieses Argument hatte etwas für sich. Es war logisch.

„Sie wollen in die Verbotene Abteilung, um etwas über Eindring- und Kontrollzauber herauszufinden, stimmt’s?“, fragte Harry.

„Sagen wir, ich werde mir meine Informationen dort suchen müssen, wo sie sind. Zumal Sie mir sicher keinen Schnellkurs in Schwarzer Magie geben werden, Sir.“

Harry grinste, überlegte einen Moment und sagte dann:

„Nennen Sie mich bitte Harry. Sie sind ein Freund von Albus, da finde ich den ‚Sir‘ unangemessen.“

„Sehr gerne, Sir, äh… Harry“, erwiderte Roy, der sich sichtlich freute.

„Und wenn Sie nichts finden? Kommen Sie dann auf Ihre Anschlagspläne zurück?“, fragte Harry scheinbar scherzhaft.

„Nein, Harry“, erwiderte Roy ernst. „Ich verspreche es Ihnen. Und Sie wissen, warum.“

Sie gingen schweigend nebeneinander her.

Als sie die Eingangshalle erreichten, fiel Harry noch eine Frage ein:

„Was für ein Raum war das eigentlich, aus dem Sie und Ihre Freunde gestern Abend gekommen sind? Haben Sie etwa den Raum der Wünsche ins Untergeschoss verlegt?“

Roy lachte. „So gut sind wir auch wieder nicht. Nein, es ist ja nicht schwer, einen großen Geheimraum zu erzeugen. Ich habe einfach die Wand einer Besenkammer verdoppelt und ein wenig Zwischenraum gelassen. Diesen Zwischenraum habe ich magisch vergrößert – fertig. Man müsste schon das Innere der Besenkammer nachmessen, um festzustellen, dass sie etwas kleiner ist, als sie sein sollte. Aber wer tut das?“

Harry nickte anerkennend:

„Es ist tatsächlich ganz einfach, trotzdem muss man erst einmal darauf kommen. – Es wird Zeit, mich zu verabschieden, schon fast halb drei. Meine Frau wartet bestimmt auf mich. Ich bin froh, Sie getroffen zu haben. Ehrlich gesagt hatten wir uns wegen Albus‚ Verbindung zu Ihnen Sorgen gemacht.“

„Das kann ich gut verstehen.“

„Ich würde das Gespräch gern fortsetzen“, sagte Harry, „und ich glaube, meine Frau würde Sie auch gern kennenlernen. Wie wär’s, würden Sie uns nächsten Sonntagnachmittag besuchen, vielleicht zusammen mit Mister Lestrange?“

Roy wirkte zuerst verblüfft, aber dann lächelte er.

„Ja natürlich, sehr gerne. Aber wir sitzen doch hier in Hogwarts fest.“

„Ich bin sicher, Professor McGonagall wird Ihnen freigeben, wenn ich sie darum bitte, und bestimmt stellt sie Ihnen auch ihren Kamin für die Reise zur Verfügung.“

„Soll Albus auch mitkommen? Er wäre bestimmt enttäuscht, wenn ich seine Eltern besuchen könnte und er nicht.“

„Natürlich.“

„Und James?“

James nicht. Ich glaube nicht, dass Sie frei reden könnten, wenn ein Gryffindor anwesend wäre. Ich werde Albus auch einschärfen, niemandem von dem Besuch zu erzählen.“

„Okay, Sie haben aber hoffentlich nichts dagegen, dass Julian und ich die anderen aus unserer Gruppe informieren? Sie werden nichts sagen, aber in wichtigen Dingen verschweigen wir einander nichts.“

„Kommt mir bekannt vor“, lächelte Harry. „Kein Problem. Also nächsten Sonntag um drei.“

Sie reichten einander die Hand. Harry schlüpfte wieder unter seinen Tarnumhang und glitt durch einen schmalen Spalt zum Portal hinaus. Roy wartete, bis Harry weit genug weg sein musste, hob den Zauberstab und sagte „Calorate“. Weit entfernt sah er den gelben Lichtfleck das Geländetor durchschreiten und dann plötzlich verschwinden.

Discalorate.“ Roy drehte sich um und machte sich auf den Weg zur Bibliothek.

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